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-- Autor Jörg Hugger --
Die Vorgeschichte / Leseprobe zum Buch
"Forscher im Universum der Astralkörper"
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    Vor 61 Jahren hatte der Bürgerkrieg zwischen den Astralgängern und den anderen Menschen getobt. Oscheron Rescheran hatte mit einer ‚astralen Epidemie' zwei Millionen Menschen infiziert. Die damals gefundenen Vorgehensweisen hatte ich in meiner Diplomarbeit geschickt modifiziert, um ein Verfahren gegen Schlaflosigkeit zu finden, das beliebig wiederverwendbar war.
    Der einzige Stoff, den astrale Befehle nicht durchdringen konnten, war Molybdänhelid. Diese Verbindung war extrem schwierig herzustellen, da Edelgase normalerweise nicht mit anderen Elementen reagieren. In der Molybdänhelid-Schachtel waren die Hypnosebefehle, die ich im Universum der Astralkörper erstellt hatte, absolut sicher - zumindest, solange sie verschlossen blieb. Irgendjemand musste sich an der Schachtel zu schaffen gemacht haben. Allein bei dem Gedanken graute es mir schon. Wir befanden uns nicht mehr im Krieg. Aber das Verhältnis zwischen Astral- und Nicht-Astralgängern war mehr als nur gespannt. Und ich wollte nicht derjenige sein, der die Lunte anzündete, die das Pulverfass der Emotionen zur Explosion brachte.
    Ich hatte nur das Beste beabsichtigt: den Menschen zu helfen. Sollte durch einen Unfall oder ein Missgeschick ein neuer Krieg entstehen? Sollte ich zum Urheber dieses Krieges werden, so in die Geschichtsbücher eingehen, als derjenige, der neuerlich Leid und Blutvergießen über ganz Menschenhort gebracht hatte?
    Diese Gedanken lähmten mich, ließen mich in Entsetzen dastehen. Möglicherweise war ich mit meinem Forscherdrang zu weit gegangen. Möglicherweise durfte man - gerade auch im Universum der Astralkörper - nicht alles tun, wozu man in der Lage war.
    ‚Hätte mir Dr. Caltonal nur nicht die Schachtel mitgegeben!', verfluchte ich ihn. Ich hatte immer sehr sorgfältig auf meine Arbeit aufgepasst. Und auch dieses Mal hatte ich sie eingeschlossen. Lange Zeit, als ich den Replikationsmechanismus noch nicht eingebaut hatte, waren meine Hypnosebefehle auch völlig harmlos gewesen. Sie hätten dann maximal eine andere Person befallen können; natürlich nicht mich, dafür hatte ich genügend Vorkehrungen getroffen. Offenbar war ich mit der Verwendung von Rescherans Verfahren zu weit gegangen.
    In den Krankenzimmern, in die ich blickte, schliefen die Patienten - scheinbar glücklich. Wenn sie es nur nicht alle gleichzeitig getan hätten! Wie weit nach draußen mochte die Epidemie schon gedrungen sein? War inzwischen die ganze Straße betroffen, der Stadtteil oder bereits die ganze Stadt? Die Last dieser Verantwortung ließ mich zusammenbrechen. Ich sank auf die Knie, kollabierte regelrecht. Es war nicht auszudenken, was man mit mir machen würde, wenn das bekannt würde. Einen Moment dachte ich daran, ob eine Flucht möglich wäre. Vielleicht konnte ich mich irgendwo verstecken, auf einer entfernten Kolonie oder tief in der Einsamkeit des Weltalls. Nein, das war völlig unrealistisch. Ich käme nicht so weit. Ich raffte mich mühsam auf. Der Verantwortung musste ich mich stellen, so bitter das auch werden würde.
    Tief atmete ich durch. Das verschaffte mir wieder etwas Klarheit im Kopf. Natürlich musste ich zuerst den Zustand meiner Diplomarbeit kontrollieren.
    Halb wahnsinnig vor Sorgen rannte ich zurück zum Schlafsaal. Die Tür war noch verschlossen. Ich zitterte so heftig, dass ich sie kaum aufbekam. Die Molybdänhelid-Schachtel lag auf dem Bett, wo ich sie hingelegt hatte. Sie war unversehrt und verschlossen. Wie konnte das sein? Die Symptome der Menschen draußen waren die meiner Astralhypnose-Befehle, so, wie ich sie an meinen Patienten beobachtet hatte.
    ‚Die Überwachungskameras!', schoss es mir durch den Kopf.
    Wie ein Irrsinniger hastete ich in den Beobachtungsraum. Die Kameras waren gelaufen! In hundertfacher Beschleunigung ließ ich die Nacht durchlaufen, während ich gleichzeitig nach meinem Handy tastete. Gebannt starrte ich auf den Monitor, der ein leicht zitterndes Standbild zu zeigen schien, während ich überlegte, wen ich anrufen sollte.
    Da! Die Schachtel hatte sich ein wenig bewegt um ca. 02:00 Uhr nachts. Ich schaltete in den zwanzigfachen Rückwärtslauf. Jetzt sah ich auch, wie ein Schatten - ein Roboter oder ein Mensch - kurz hereinkam, sich an der Schachtel zu schaffen machte, um dann gleich wieder den Raum zu verlassen. Im zwanzigfachen Rückwärtslauf hatte ich zu wenig erkennen können. Jetzt wollte ich es in Normalgeschwindigkeit sehen, bevor ich die Polizei oder sonst jemanden anrief! Leider hatte ich mir die Stelle nicht exakt gemerkt. Jede Sekunde verstrich so langsam wie eine Ewigkeit. Jetzt musste sich gleich die Tür öffnen.
    Ich kam nicht mehr dazu, es zu sehen.
    Eine Explosion zerriss die Stille. Der Strom fiel aus. Der Monitor wurde schwarz.
    Wie gelähmt stand ich da.
    Diese Explosion brachte mich auf eine ganz andere Idee: Jemand hatte sich meiner Diplomarbeit bemächtigt und das Krankenhaus - und wer weiß, wie viele Menschen im Umland - absichtlich eingeschläfert. Das konnten nur Terroristen gewesen sein, die uns Astralgänger noch weiter in Verruf bringen wollten! Mit diesem Gedanken hörte ich aber auch schon die ersten Alarmsirenen der Polizei.
    Ich beschloss, Professor Saihtun anzurufen. Das war der Leiter der Fakultät, zu der mein Betreuer und ich gehörten. Man sagte ihm gute Beziehungen, auch in Kreisen der Regierung, nach. Ich hatte eine Vorlesung von ihm gehört und eine mündliche Prüfung bei ihm gehabt. Er war in Ordnung. Zum Glück erreichte ich ihn sofort.
    "Hier spricht Siegfried Setiner", meldete ich mich.
    Kaum dass ich noch irgendetwas erklären konnte, legte er los: "Verdammt, Setiner! Ihre Diplomarbeit hat einen GAU verursacht!" Er war - wie ich - extrem aufgeregt, das hörte und sah ich auf dem Display des Handys sofort.
    Ich setzte zu einer Erklärung an, aber er fiel mir gleich ins Wort: "Machen Sie genau das, was ich ihnen jetzt sage! Haben Sie mich verstanden?"
    "Ja, sicher!"
    "Verstecken Sie sich irgendwo und verlassen Sie, wenn sich die Lage beruhigt hat, das Gebäude! Ich will nicht, dass Sie irgendjemand sieht!"
    "Hier schlafen alle. Wir müssen etwas dagegen unternehmen!", widersprach ich.
    "Die werden bald aufwachen. Ihr Betreuer ist mit dem zweiten Teil Ihrer Diplomarbeit im Gebäude und neutralisiert die Schlafbefehle im Universum der Astralkörper. Machen Sie sich keine Sorgen!" Das war eine gute Nachricht. Saihtun war also schon informiert und hatte Maßnahmen eingeleitet.
    "Jemand war an meiner Diplomarbeit! Ich habe das auf Video. Ich bin völlig schuldfrei!"
    "Natürlich sind Sie das. Löschen Sie das Video!", forderte er mich auf.
    Jetzt verstand ich gar nichts mehr. "Aber es beweist meine Unschuld! Es ist darauf zu sehen, wer für den Schlamassel verantwortlich ist."
    "Ja, die zwei Idioten von der astralen Raumflotte", erklärte er. "Doch darum geht es nicht. Verstehen Sie nicht, dass das ein Politikum ersten Ranges werden kann? Ein Skandal, der sich gewaschen hat? Es ist egal, ob Sie es waren oder die astrale Flotte. Letztlich stehen wir als Astralgänger am Pranger."
    Ich verstand gar nichts mehr. "Das Militär?"
    "Ja", gab er zu. "Die haben mich um Amtshilfe gebeten, weil sie Ihre Diplomarbeit als Waffe brauchten."
    Dass man mein Mittel gegen Schlaflosigkeit als Waffe verwenden konnte, daran hatte ich noch nie gedacht. Aber der Zustand der Menschen im Krankenhaus bewies diese Möglichkeit. Ich war völlig verdutzt. "Amtshilfe in welcher Sache?"
    "Die Entführung dieser Raumfähre. Es waren Astralgänger der Dern. Mit normalen Mitteln war ihnen im Universum der Astralkörper nicht beizukommen."
    "Was wollten die denn mit dieser Raumfähre?" Ich verstand das alles noch nicht. Diese Enthüllung verwirrte mich nur noch mehr. "Die sind doch sonst so friedlich."
    Der Professor wirkte ungeduldig, aber auch so, als hätte er die Lage zumindest halbwegs überschaut. "Sie protestieren dagegen, dass das Wurmlochnetzwerk nach Eineschen ausgebaut wird. Sie wollen eine Verbindung in ein ganz anderes Sonnensystem. Aber das ist jetzt egal. Nun geht es darum, dass wir Astralgänger aus der Sache heil herauskommen. Deswegen müssen wir um jeden Preis diese Geschichte in der Klinik vertuschen. Ein Einsatzteam ist vor Ort. Haben sie schon eine Explosion gehört?"
    "Ja! Gerade eben." Dann waren das also keine Terroristen gewesen.
    "Wir werden es so darstellen, als ob Narkosemittel unsachgemäß gelagert worden sind. Deswegen sind dann einige Flaschen explodiert. Damit das jeder glaubt, helfen wir aus dem Universum der Astralkörper ein wenig mit Astralhypnose nach. Aber Ihre Diplomarbeit wird zur Verschlusssache erklärt. Topsecret. Sonst zieht da noch jemand die richtigen Schlüsse ..."
    Das mit der Astralhypnose war in diesem Fall hochgradig illegal. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Bisher hatte ich zumindest nicht absichtlich gegen Gesetze verstoßen. Andererseits war ich erledigt, wenn der Plan des Professors nicht aufging, denn auch wenn das Militär die Hypnosebefehle freigesetzt hatte, so stammten sie letztlich von mir. Wenn ich es recht überlegte, war die Idee des Professors die einzige Möglichkeit für mich, halbwegs glimpflich aus der Sache herauszukommen. "Und ich?", fragte ich. "Was soll mit mir werden?"
    Offenbar hatte Saihtun sich auch schon darüber Gedanken gemacht. Und natürlich wollte er die Gunst der Stunde nutzen, um mich an der Universität zu halten. "Wir werden Sie verschwinden lassen müssen. Möglichst weit weg. Eine andere Fakultät könnte Ihre Hilfe gut gebrauchen, auf Allorgan, einer weit entfernten Kolonie. Ich weiß selbst nicht, was die da machen. Eine astrale Atombombe, künstliche Astralkörper, Pyradisten-Forschung ... Es muss etwas ganz Heikles sein. Also das Richtige für jemanden wie Sie! Außerdem habe ich gehört, dass Sie sowieso gerade umziehen wollen." Da war er aber erstaunlich gut informiert.
    "Von wollen kann nicht die Rede sein", wandte ich ein. Er überrumpelte mich total mit dem, was er wusste - von der Raumfähre und über mich. Eine innere Stimme sagte mir aber, dass es klüger sei, seinem Rat zu folgen. Wenn es mir nach drei Monaten nicht gefiele, könnte ich kostenfrei nach Menschenhort zurückfliegen, meinte er. Dieses Argument überzeugte mich. Ohne seine Hilfe, die der Fakultät und der Astralgänger war ich erledigt, wenn ich nicht mitspielte. Daraus machte er auch kein Geheimnis, sondern versicherte mir, er würde hundertprozentig hinter mir stehen, wenn ich auf seine Vorschläge einginge, ließ mich aber gleichzeitig wissen, dass er, falls ich es mir anders überlegen sollte, für nichts garantieren könnte.
    Kurz nachdem er aufgelegt hatte, kam der Strom wieder. Ich kopierte die Aufzeichnung von der Manipulation an meiner Diplomarbeit auf meinen Laptop, bevor ich sie vom Rechner der Klinik löschte. In das gleiche Verzeichnis speicherte ich auch die Aufzeichnung des Gesprächs mit dem Professor, bevor ich das Ganze verschlüsselte. Das tat ich nur für den Fall der Fälle.
    Die Menschen in der Klinik erwachten ohne mein Zutun wieder. Die Astralgänger der Universität oder des Militärs um mich herum - falls sie denn wirklich einmal im gleichen Raum waren - konnte ich natürlich nicht sehen. Zum Glück hatte ich bei den Hypnosebefehlen meiner Diplomarbeit Vorkehrungen getroffen, dass sie mich nicht selbst befielen.
    Am Abend schon war ich auf dem Raumhafen der Stadt, wo ich noch einmal mit meiner Mutter telefonierte. Sie sollte mir einige der wichtigsten Sachen nachschicken. Spätestens in drei Monaten wollte ich im Rahmen eines Urlaubs - oder um mir einen anderen Job zu suchen - wieder nach Menschenhort zurückkommen.
    Als ich in der Raumfähre in den Weltraum saß, wurden Nachrichten auf einem Monitor im Sitz des Vordermannes gezeigt: "Die gestrige Entführung einer Raumfähre ist unblutig zu Ende gegangen. Die Behörden lobten die gute Zusammenarbeit mit der astralen Raumflotte." Später wurde auch über den Vorfall in der Klinik berichtet: "Auf Menschenhort hat sich heute in einer Klinik eine Explosion ereignet, bei der eine erhebliche Menge Narkosegas entwichen ist. Patienten und Personal waren über Stunden betäubt. Der Chefarzt meinte hierzu: Der Gaslieferant hat die Flaschen in die falschen Räume abgestellt. Aufgrund eines Softwarefehlers war die zehnfache Menge der üblichen geliefert worden. Der zuständige Hausverwalter war im Urlaub, ansonsten wäre das alles nicht passiert ..."
    Ich schaltete die Nachrichten ab. Sie wühlten mich total auf.
    Es war unglaublich, dass ich nun auf dem Weg zu einem anderen Planeten war. Alles war so schnell gegangen - die Katastrophe am Morgen hatte mich regelrecht überrollt. Es tat sicher gut, weit weg von Menschenhort erst einmal "Abstand" zu den Ereignissen zu gewinnen und Gras darüber wachsen zu lassen. Auf dieser weit entfernten Kolonie hoffte ich, Ruhe zu finden, um den Stress mit der Diplomarbeit zu vergessen. Ich konnte ja nicht wissen, wie sehr ich mich in dieser Einschätzung täuschen und quasi vom Regen in die Traufe kommen sollte.
    In der Umlaufbahn von Menschenhort verfasste ich ein E-Mail-Rundschreiben an die Firmen, die mich zwecks einer Arbeitsstelle angeschrieben hatten. Ich informierte sie, dass ich mich noch nicht abschließend entschieden hätte und mich in drei Monaten melden würde, wenn ich wieder auf Menschenhort sein würde. Das mit den Tutorien hatte der Professor schon geregelt: Andere Diplomanden hatten sie übernommen. Auch meine Diplomnote hatte ich bekommen: 1.0 - eine Farce, im Hinblick auf die Geschehnisse!
    Was war das eigentlich für ein Planet, zu dem ich unterwegs war? Ich zwang mich, im Netz über Allorgan zu lesen.
    Mein Zielplanet hatte nicht einmal eine atembare Atmosphäre. Das konnte ja lustig werden.
    

    Lesen Sie weiter im Roman und erfahren Sie,
    
- was Siegfried Setiner bei seiner Ankunft auf Allorgan erlebt,
- wie Astralgänger im Universum der Astralkörper handeln und hypnotisieren
- und wie außerirdische Rassen mit ihren Astralkörpern die Menschheit zu unterjochen planen.
    
    Jörg Hugger, Forscher im Universum der Astralkörper
    Books on Demand GmbH, Norderstedt
    ISBN: 3-8334-3227-6
    Copyright 2005, 2006 Jörg Hugger
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